Weil wir wollen,
dass Pfarre auch in Zukunft lebt

Am 22. Juni 2021 wurde die Pfarrgemeinderats-Initiative (PGR-Initiative) in der Erzdiözese Wien gegründet.

Warum noch eine kirchliche Initiative?

Viele kirchlich Tätige, darunter viele Mitglieder von Pfarrgemeinderäten, sind durch Entwicklungen in der Kirche müde, entmutigt und mürbe geworden. Wir haben Sorge um die Zukunft der Pfarren. In immer größeren Räumen soll pastorale Arbeit mit immer weniger hauptamtlichen Personen stattfinden. Die Mitglieder von Pfarrgemeinderäten sind oft konfrontiert mit zeitaufwändigen Umstrukturierungsmaßnahmen, Neuplanungen, Personalwechseln. Das Mitspracherecht von ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist aufgrund der aktuellen Ordnungen begrenzt, eine vatikanische Instruktion im vergangenen Sommer hat für großen Unmut in den Pfarrgemeinden gesorgt und einen ersten Brief einer Gruppe von Stellvertretenden Pfarrgemeinderats-Vorsitzenden an die Diözesanleitung nach sich gezogen. Ein weiteres vatikanisches Schreiben zur (Nicht-)Segnung von gleichgeschlechtlichen Paaren hat inner- und außerkirchlich zu Diskussionen sowie zu einem weiteren Brief Stellvertretender Pfarrgemeinderats-Vorsitzender an die Diözesanleitung geführt.

Was will diese Initiative?

Die Mitglieder und Unterstützer*innen waren und sind alle in Pfarren der Erzdiözese (ED) Wien tätig. Wir teilen das Bild einer geschwisterlichen Kirche, die Engagement und Beteiligung des Kirchenvolks fördert, im Sinne der gemeinsamen Verantwortung aller Getauften. Wir setzen uns für eine zeitgemäße Verkündigung des Evangeliums ein.

Die genannten vatikanischen Schreiben haben einmal mehr gezeigt, dass es unter pfarrlich Engagierten sehr großen Diskussionsbedarf und Unmut gibt.

Wir sehen diese Initiative als Beitrag zu einem synodalen Prozess in der ED Wien, der ja weltweit von Papst Franziskus angekündigt und auch in der letzten Sitzung der Bischofskonferenz angesprochen wurde. Wir möchten Pfarren eine Stimme in der öffentlichen Wahrnehmung geben. Ein Ziel ist die Vernetzung und der Austausch mit Pfarrgemeinderät*innen aus verschiedenen Pfarren. Uns beschäftigen unter anderem folgende für die Pfarrarbeit relevante Fragenund Schlussfolgerungen daraus:

Wie können Pfarren personell und strukturell gestärkt werden, um den Auftrag des Evangeliums in dieser Welt bestmöglich erfüllen zu können?
Wir brauchen eine funktionierende Zusammenarbeit aus gut ausgebildeten und motivierten haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen, moderne, transparente Entscheidungs- und Handlungsstrukturen und gute Kommunikationswege zwischen den Pfarren und der Erzdiözese Wien.
Wie können haupt- und ehrenamtliche Engagierte – Frauen und Männer gleichberechtigt – in dieser Kirche, die strukturell Weihe und Leitungsdienst verbindet, entsprechend ihrer Talente und Charismen auch leitend tätig werden?
Wir brauchen Wertschätzung, neue Aus- und Weiterbildungskonzepte und den Mut zu neuen Leitungsmodellen.
Wie können aktuelle Themen sowohl von der Erzdiözese als auch von den Pfarren sinnvoll, wertschätzend und ohne fundamentalistische Extreme aufgegriffen und diskutiert werden?
Wir wollen gesellschaftliche Allianzen bilden und vor allem auch von der Kirche enttäuschte oder junge Menschen einbinden bei Themen, bei denen die christliche Botschaft aktuell anschlussfähig ist.

Wir sehen uns als Gesprächspartner der ED Wien, gemeinsame Standpunkte sollen gegenüber der Diözesanleitung vertreten werden. Auch mit anderen Reformbewegungen stehen wir in Verbindung.

Die Initiative besteht aktuell aus 30 Gründungsmitgliedern. Die Mitgliedschaft ist derzeit aus praktischen Gründen an die Funktion der/des Stellvertretenden Vorsitzenden von Pfarrgemeinderäten und Pfarrverbandsräten (aktuell und ehemalig) gebunden; weitere pfarrlich Engagierte sind als Unterstützer*innen herzlich eingeladen. In der Initiative vertreten Mitglieder nicht die Meinung ihrer Gremien, sondern ihre eigene Position. Dem dreiköpfigen Leitungsteam, das für zwei Jahre bestellt wurde, gehören Axel Gotsmy (Pfarre Franz von Sales), Susi Reichard (Pfarre zur Frohen Botschaft) und Heinz Weinrad (Pfarre St. Johann Nepomuk) an.